28.06.2022 - Kategorie "Recht und Gesetz"

11. Europäischer Insolvenzrechtstag

Veranstaltung für Insolvenzfachleute: 11. Europäischer Insolvenzrechtstag findet in Brüssel statt

Expertenaustausch und Praxisberichte für die Fortbildung europäischen Insolvenzrechts –Tagung am 30. Juni und 1. Juli 2022 in Brüssel, Belgien


Zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder in Präsenz richtet die Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltverein (DAV) durch ihre Europagruppe den 11. Europäischen Insolvenzrechtstag (EIRC) aus. Hochrangige Vertreter der Europäischen Kommission und des Bundesministeriums der Justiz nehmen an der Fachtagung in Brüssel teil, ebenso wie internationale Experten aus Anwaltschaft, Politik und Wissenschaft. Gemeinsam sprechen sie u.a. zu den anstehenden Harmonisierungsvorhaben und Sanierungsmöglichkeiten für Kleinunternehmen im Insolvenzfall.

„Die zahlreichen Krisen zeigen eines: Wir brauchen ein robustes Insolvenz- und Sanierungssystem, das aufeinander abgestimmte Optionen zur Sanierung, aber auch zur effektiven Liquidation bietet. Und das nicht nur national, sondern für den ganzen europäischen Markt. Daher freue ich mich, von den Vertretern der Kommission auf dem EIRC zu hören, was uns hier konkret an Vorschlägen dazu erwartet“, erklärt Rechtsanwalt Daniel Fritz, Sprecher der Europagruppe der Arbeitsgemeinschaft und zugleich Private Expert der Europäischen Kommission für Insolvenzrecht.

Im Zusammenhang mit den Harmonisierungsbestreben zum nationalen Insolvenzrecht wird sich auch die Fachtagung mit den Möglichkeiten eines weitgehend verwalterfreien Insolvenzverfahrens für Klein- und Kleinstunternehmen sowie mit sogenannten Pre-Pack-Optionen beschäftigen. Deren Einführung würde langfristig dazu beitragen, dass ein vereinfachtes Regime mit niedrigschwelligem Verfahrenszugang die Einbindung von Gerichten deutlich reduziert. In Vortragsreihen und praktischen Panels können sich die Teilnehmer des Kongresses informieren und sich über ihre praxisrelevanten Erfahrungen in den einzelnen europäischen Ländern und aktuelle Rechtsprechung hierzu austauschen.

Der zweitägige Kongress wird in Brüssel von den neuen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltverein, Dr. Anne Deike Riewe und Dr. Rainer Eckert, eröffnet.

Dr. Anne Deike Riewe, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, dazu: „Die Einhaltung von Lieferketten, politischen Vorgaben und Energieversorgung sind reale Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Wir bieten ein Podium, um nachhaltige Lösungen für den Insolvenzfall zu diskutieren. Europäische Unternehmen sollen sich krisensicher und erfolgreich im globalen Wettbewerb behaupten können.“

„Corona, Inflation, Störung der Lieferketten und der Krieg in der Ukraine zeigen uns eindringlich: die Krisen treffen alle Staaten der EU – Insolvenzrecht und Restrukturierung müssen europäisch gedacht werden. Den Rahmen dazu bietet diese Konferenz“, betont Dr. Rainer Eckert, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft.

Der EIRC bringt auch in diesem Jahr internationale Experten aus den Bereichen der Politik, der Wissenschaft und der Anwaltschaft zusammen. Sie alle erwartet ein breites Spektrum an anwendungsbezogenen Themen und Vorträgen zu aktuellen Entwicklungen im Insolvenzrecht. Die Fachtagung empfängt darüber hinaus hochrangige Gäste aus dem Bundesministerium der Justiz sowie Vertreter der Europäischen Kommission.

Zu Beginn wird Salla Saastamoinen, Generaldirektorin für Justiz und Verbraucher der Europäischen Kommission, ihr Wort an die diesjährigen Teilnehmer des Kongresses richten. Im Laufe des Vormittags wird Frau Saastamoinen im Rahmen eines praktischen Panels gemeinsam mit zwei Expertinnen aus dem insolvenzrechtlichen Bereich darüber diskutieren, wie die aktuellen Reformvorhaben aus Sicht der Praxis am besten ausgestaltet werden können.

Abseits der aktuellen Rechtsentwicklung für Europa will der EIRC den Teilnehmern auch ein Forum für den Praxis-Austausch über Grenzen hinweg liefern. Im Rahmen eines Workshops befassen sich die Teilnehmer beispielsweise vertieft mit der Frage, ob und wann ein verwalterfreies Spezialinsolvenzverfahren für Kleinunternehmen europarechtlich verankert werden kann, und inwiefern ein solches für das jeweilige Unternehmen wirklich hilfreich ist. Darüber hinaus geben erfahrene Rechtsanwälte Einblicke in die Erfolgspraxis der Umstrukturierung von Unternehmen.

Nachdem der Europäische Insolvenzrechtstag (EIRC) in den vergangen zwei Jahren pandemiebedingt ausschließlich digital stattfinden konnte, wird er nun wieder in Präsenz in Brüssel ausgerichtet. Der Kongress wird traditionell in englischer Sprache abgehalten.



Die Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltverein (DAV) ist ein Zusammenschluss von über 1.400 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, deren berufliches Interesse sich besonders auf das Insolvenzrecht und die Sanierung von Unternehmen richtet. Die Arbeitsgemeinschaft ist seit November 1999 als Arbeitsgemeinschaft im DAV organisiert. Sie ist bundesweit die größte deutsche Vereinigung von Insolvenzrechts- und Sanierungsexperten. Der Deutsche Insolvenzrechtstag, den die Arbeitsgemeinschaft 2004 ins Leben gerufen hat, ist die größte insolvenzrechtliche Veranstaltung in Europa. Darüber hinaus veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft seit 2012 einmal jährlich den Europäischen Insolvenzrechtstag / European Insolvency & Restructuring Congress (EIRC) in Brüssel.




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