23.04.2015 - Kategorie "Insolvenzverfahren"

Erzgebirgischer Traditionshersteller für Wetter- und Klimamessinstrumente gerettet

Die Feingerätebau K. Fischer GmbH aus Drebach hat ihre Insolvenz hinter sich

Gläubiger stimmen dem vom Sanierungsexperten Heumann vorgelegten Insolvenzplan zu


Die Feingerätebau K. Fischer GmbH aus Drebach hat ihre Insolvenz hinter sich. In einer Versammlung beim Amtsgericht Chemnitz am Mittwoch, dem 22. April 2015, haben die die Gläubiger dem vom Insolvenzverwalter Helgi Heumann vorgelegten Insolvenzplan einstimmig zugestimmt. Diese Zustimmung ist Voraussetzung für die Beendigung des Insolvenzverfahrens durch das Amtsgericht.

 

„Ein fast sechsjähriges Insolvenzverfahren geht damit zu Ende. Es freut mich, dass wir es gemeinsam mit den Mitarbeitern und der Geschäftsführung geschafft haben, das Unternehmen wieder auf solide Füße zu stellen“, betont Rechtsanwalt Helgi Heumann. Der Sanierungsexperte wurde im September 2009 vom Amtsgericht Chemnitz zum Insolvenzverwalter für den sächsischen Traditionshersteller bestellt.

 

Der Insolvenzplan sieht vor, dass die Gläubiger 60 Prozent ihrer Forderungen ausbezahlt bekommen. Heumann, der seit 1985 als Unternehmenssanierer tätig ist: „Diese Quote ist ungewöhnlich gut, bei den meisten Verfahren bewegt sie sich unter 10 Prozent. Ich möchte betonen, dass das Unternehmen es aus eigener Kraft geschafft hat, die Zahlungen an die Gläubiger und die Verfahrenskosten zu erwirtschaften.“

 

Am Anfang musste der in finanzielle Schieflage gekommene Hersteller für Wetter- und Klimamessgeräte bei Banken und Lieferanten einige Überzeugsarbeit leisten. „Die Banken sahen das Unternehmen nur als bedingt sanierungsfähig an. Wir benötigten schnelle Entscheidungen, um zügig Maßnahmen einzuleiten, die bereits kurzfristig Wirkung zeigen mussten“, erinnert sich Heumann. Im Focus der Maßnahmen standen dabei die Realisierung marktgerechter Verkaufspreise, die Stabilisierung der Marke durch Sicherstellung der Qualität und Liefertreue, die Umstellung auf eine auftragsorientierte Fertigung sowie die Stärkung einer hohen Fertigungsflexibilität durch den Einsatz von Planungs- und Steuerungsinstrumentarien.

 

Auf Grund der Veränderungen verzeichnete der Traditionshersteller ab 2012 wieder stark steigende Umsätze. „Neben den eingeleiteten Maßnahmen war für diesen Erfolg insbesondere das Engagement sowie der Einsatz- und Veränderungswille der Mitarbeiter sehr entscheidend“, betont Heumann und fügt hinzu: „Mittlerweile sorgen wieder mehr als  1.000 internationale Kunden mit ihren regelmäßigen Bestellungen von Wetter- und Klimamessgeräten für gut gefüllte Auftragsbücher.“

 

Von den rund 1,8 Millionen Euro Umsatz, die durch die 33 Mitarbeiter im Jahr 2014 erwirtschafte wurden, stammen mehr als 50 Prozent aus dem Ausland. Zu den wichtigsten Exportländern gehören Skandinavien, Großbritannien, die Niederlande, Frankreich, Italien, USA, Russland, Australien, Neuseeland und Südafrika. In Deutschland vertreibt das Unternehmen seine Produkte über Händler und seit 2012 auch über den eigenen  Onlineshop.

 

Zu dem Insolvenzverfahren war es 2009 aufgrund stark rückläufiger Bestellungen, insbesondere aus Osteuropa und dem Iran gekommen. „Im Iran wurden vor allem die staatlichen Wetterstationen mit den sächsischen Qualitätsprodukten ausgerüstet. Die Insolvenz des iranischen Importpartners und die allgemeine Wirtschaftskrise führten damals dazu, dass der Absatz des Unternehmens auf dem osteuropäischen und iranischen Markt vollkommen zum Erliegen kam“, berichtet Insolvenzverwalter Helgi Heumann.




 

Bereits seit 1945 werden in Drebach feinmechanische Geräte produziert. Das von Kurt Fischer gegründete Unternehmen wuchs in der Folge stetig und stellte Hygrometer, Präzisionsbarometer, Barographen und Messtechnik für die Luftfahrt her. Im Jahr 1972 wurde das Unternehmen verstaatlicht und als volkseigener Betrieb (VEB) fortgeführt. Im Juni 1990 wurde das Unternehmen reprivatisiert.

 

Helgi Heumann – Der Sanierungsexperte für sächsische Unternehmen

Rechtsanwalt Helgi Heumann ist als Insolvenzverwalter und Sanierungsberater seit 1985 tätig. Er sanierte unter anderem die Pulsnitzer Lebkuchenfabrik GmbH, die Mühle-Glashütte GmbH – Nautische Instrumente und die Sächsische Sandsteinwerke GmbH. Zur Kanzlei Heumann Rechtsanwälte gehören vier Rechtsanwälte und 18 Mitarbeiter. Die Kanzlei hat Büros in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Halle.

 


Bild: © digitalart / FreeDigitalPhotos.net

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