26.01.2024 - Kategorie "Insolvenzverfahren"

Hautklinik PsoriSol stellt sich neu auf

Hautklinik Psorisol ghet in die Insolvenz in Eigenverwaltung

Die PsoriSol Hautklinik GmbH mit Sitz in Hersbruck bei Nürnberg nutzt ein Eigenverwaltungsverfahren, um sich neu aufzustellen und ihre Finanzierung neu zu ordnen.


Die Geschäftsführung hat beim Amtsgericht Nürnberg einen entsprechenden Antrag gestellt, dem das Gericht zugestimmt hat. Das Haus erwirtschaftet zwar operativ schwarze Zahlen. Allerdings muss die Gesellschaft für Schulden anderer Unternehmen im Unternehmensverbund geradestehen, dem sie angehört.

 

„Die Eigenverwaltung hat keine Auswirkungen auf den Klinikbetrieb“, betonte Geschäftsführerin Prof. Dr. med. Christina Rogalski. „Die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten geht in vollem Umfang weiter, sämtliche medizinischen und therapeutischen Leistungen werden ganz normal weiterhin erbracht.“ Die Löhne und Gehälter der rund 150 Beschäftigten sind gesichert, zudem ist der Geschäftsbetrieb für mindestens neun Monate durchfinanziert. Diese Zeit will die Klinik nutzen, um mit den Instrumenten der Eigenverwaltung ihre Finanzierung neu aufzustellen. „Wir sind nicht zahlungsunfähig“, stellte Rogalski klar.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Kliniken erwirtschaftet die PsoriSol Hautklinik ein ausgeglichenes Ergebnis. Die Gründe für das Eigenverwaltungsverfahren hängen daher nicht mit der wirtschaftlichen Situation der Klinik, sondern mit deren Finanzierungsstruktur zusammen: Seit der Übernahme durch die Dentabene GmbH 2019 fungiert die PsoriSol Hautklinik GmbH als Trägergesellschaft für zwei zahnmedizinische Versorgungszentren in Berlin. Diese beiden Einrichtungen hatten im August 2023 Insolvenz anmelden müssen. Weil die Finanzierung aller drei Gesellschaften gemeinsam geregelt ist, haftet PsoriSol für deren Verbindlichkeiten. Die damit verbundenen Ansprüche hat das finanzierende Kreditinstitut jetzt geltend gemacht.

 

Das Eigenverwaltungsverfahren ist ein sehr wirksames und erfolgreiches Instrument des deutschen Sanierungsrechts. Es bietet Unternehmen u.a. einen rechtlichen Rahmen, um bei laufendem Geschäftsbetrieb ihre Finanzierung in enger Abstimmung mit den Gläubigern zügig neu zu ordnen. Dabei können sie auf eine Reihe von Instrumenten zurückgreifen, die außerhalb eines solchen Verfahrens nicht zur Verfügung stehen. Die unternehmerische Verantwortung bleibt bei der Eigenverwaltung in den Händen der Geschäftsführung. Die Gerichte erlauben dies nur in Fällen, in denen Unternehmen frühzeitig selbst tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht. Als Lösungsmöglichkeit kommen sowohl ein Insolvenzplan in Betracht, d.h. eine Art Vergleich mit den Gläubigern, als auch eine Investorenlösung. Auf welchen Weg es hinauslaufen wird, wird sich in den nächsten Monaten herauskristallisieren.


Für die Phase der Eigenverwaltung wird die Geschäftsführung vom erfahrenen Restrukturierungsexperten Martin Schoebe von der Beratungsgesellschaft Greenmarck Restructuring Solutions als Generalbevollmächtigter unterstützt. Bei einem Eigenverwaltungsverfahren setzt das zuständige Amtsgericht einen sog. vorläufigen Sachwalter ein. Dieser überwacht – ähnlich wie ein Aufsichtsrat – das Verfahren im Interesse der Gläubiger. Als vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Dominik Schmitt von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen bestellt. „Die PsoriSol Hautklinik genießt nicht nur fachlich einen hervorragenden Ruf, sie gehört auch zu den wenigen Kliniken in Deutschland, die operativ ein positives Ergebnis erwirtschaften“, so Schmitt. „Für die angestrebte Restrukturierung ist das eine gute Ausgangsposition.“

 

Die PsoriSol Hautklinik gehört zu den größten Akut-Hautkliniken in Deutschland. Das Haus verfügt über 150 Betten und behandelt ca. 4.000 Patientinnen und Patienten im Jahr. Das Behandlungsspektrum umfasst alle wesentlichen, die Haut betreffenden Krankheiten. Zu den häufigsten Indikationen zählen Psoriasis / Schuppenflechte, Neurodermitis / atopisches Ekzem sowie Hand- und Fußekzeme. Hinzu kommen Autoimmunerkrankungen, Allergien (wie Nahrungsmittelallergien, Hyposensibilisierungen und Desensibilisierung gegen Bienen- und Wespengift) sowie Mastozytose. Die Klinik erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von rund 16 Mio. Euro.

 


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