12.07.2022 - Kategorie "Insolvenzgeschehen allgemein"

TMA Restrukturierungsbarometer: Ruhe vor dem Sturm?

mehr Unternehmenskrisen in den nächsten zwölf Monaten erwartet

TMA Mitglieder erwarten einhellig Anstieg von Restrukturierungen in den kommenden Monaten


Noch ist die Zahl der Restrukturierungsfälle in Deutschland überschaubar. Die in der Gesellschaft für Restrukturierung – TMA Deutschland e.V. zusammengeschlossenen Restrukturierungsexperten rechnen jedoch einhellig mit einem Anstieg der Fälle. Am stärksten treffen dürfte es die Automobilbranche, während Rüstung und Telekommunikation die geringste Krisenanfälligkeit aufweisen. Diese Einschätzungen ergeben sich aus dem jüngsten TMA Restrukturierungsbarometer, einer Umfrage unter rund 370 TMA Mitgliedern aus Unternehmensberatung, Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung, Corporate Finance sowie Banken.


Aktuell sieht nur knapp ein Drittel der Umfrageteilnehmer eine hohe Zahl von Restrukturierungen in einzelnen Branchen, zwei Drittel sehen nahezu keine oder nur vereinzelte Fälle. Steigende Materialpreise und Probleme in den Lieferketten sind aus Sicht der befragten TMA Mitglieder die Hauptursachen für mehr Unternehmenskrisen in den nächsten zwölf Monaten. 


„Die angespannte weltpolitische Lage und die damit einhergehenden negativen wirtschaftlichen Effekte werden absehbar mehr Unternehmen in eine Schieflage bringen“, sagt Dr. Gerd Sievers, Leiter des TMA Facharbeitskreises (FAK) Restrukturierungsberatung. „Sie wirken sich damit noch deutlich stärker aus als die disruptiven Trends, auf die sich Unternehmen seit längerem bereits einstellen müssen, zuvorderst die Energiewende und die Umstellung auf E-Mobilität sowie weiterhin die Digitalisierung.“ 


Wo sich Mandanten der TMA Mitgliedsunternehmen bereits in einer Krisensituation befinden, ist dies derzeit zumeist eine Ergebniskrise (70% der Mandanten), seltener eine Liquiditätskrise (54%) oder eine Absatzkrise (27%). Das Bild dürfte sich in Zukunft signifikant ändern: 91% der Befragten sehen Unternehmen in Zukunft in einer Liquiditätskrise, 83% in einer Ergebniskrise und immerhin noch 56% erwarten für ihre Mandanten eine Absatzkrise.


„Für steigende Materialkosten und höheren Investitionsbedarf die nötige Kapitalausstattung mitzubringen, wird für Unternehmen in den kommenden Monaten die größte Herausforderung bedeuten“, erklärt Dr. Rainer Bizenberger, Co-Leiter des FAK Restrukturierungsberatung. „Zusammengenommen mit erheblich höheren Energiekosten und möglichen Einschränkungen in der Energieversorgung, die bei steigenden Zinsen rasch zu Liquiditätsengpässen führen können, wird sich diese Entwicklung auch im Ergebnis niederschlagen. Dies wird in mehr Unternehmen Restrukturierungen gleichzeitig auf operativer und finanzieller Ebene notwendig machen.“


Auf anstehende Krisenszenarien sind Unternehmen oftmals noch nicht vorbereitet. Dass Unternehmen, die bereits Restrukturierungsberatung suchen, Krisenstadien bislang nicht bewältigen oder vermeiden konnten, erklären die befragten Restrukturierungsexperten damit, dass Maßnahmen zwar definiert, aber nicht oder mit zu geringem Effekt umgesetzt wurden (50%), gar keine Maßnahmen (37%) oder die falschen Maßnahmen (13%) ergriffen wurden. Entscheidend wird nach Ansicht der Experten künftig sein, Veränderungen im Operativen vorzunehmen (ein Hebel für 65% der Mandanten), das Portfolio anzupassen (35%) oder eine ganzheitliche Transformation des Unternehmens (44%) anzugehen. 


Co-FAK Leiter Rüdiger Wolf sagt dazu: „Wir erleben es in der Praxis häufig, dass Mandanten die Augen vor einer sich abzeichnenden Krise zu lange verschließen und Restrukturierungsmaßnahmen zu spät oder nicht konsequent genug angehen. Abzusehen ist, dass Unternehmen in den meisten Branchen in den nächsten Monaten stärker unter Druck geraten werden. Dies wird in einigen Branchen wie Energy und Automotive durch den dort herrschenden enormen Transformationsdruck noch weiter verstärkt. Entsprechend wird die Nachfrage nach Konzepten für Anpassungen im Geschäftsmodell ebenso wie für Refinanzierungen steigen.“ 


Von den befragten TMA Mitgliedern rechnen 84% mit steigender Nachfrage nach Refinanzierungskonzepten und 78% mit höherem Bedarf an Konzepten für ausgewählte operative Verbesserungen. 86% gehen gleichzeitig davon aus, dass mehr Umsetzungsbegleitung notwendig werden wird. 

  

Das TMA Restrukturierungsbarometer beruht auf einer Online-Umfrage unter den TMA Mitgliedern Ende Mai 2022.


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