03.06.2019 - Kategorie "Insolvenzverfahren"

Nachtexpress Moon aus Köln insolvent

Nachtexpress Moon aus Köln meldet Insolvenz an

Die Moon SE hat am 23. April beim Amtsgericht Köln Insolvenzantrag gestellt.


Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht Thomas Ellrich, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht der Kanzlei VOIGT SALUS. Der Insolvenz- und Sanierungsexperte Ellrich soll die ordnungsgemäße Abwicklung des Logistikunternehmens sicherstellen, das zum Zeitpunkt der Insolvenzantragstellung noch 49 Mitarbeiter beschäftigte und an 10 Standorten in Deutschland vertreten war. „Ziel des Verfahrens ist die bestmögliche Befriedigung der Ansprüche der Gläubiger“, so Ellrich. „Vor dem Hintergrund, dass der Logistiker das operative Geschäft bereits am 12. April eingestellt hat, kommt eine Fortführung bzw. Sanierung im Rahmen des Insolvenzverfahrens nicht in Betracht.“

 

Der Nachtexpress Moon war im Oktober 2018 zunächst mit fünf Standorten in Deutschland gestartet und hat im Januar fünf weitere Logistikzentren eröffnet. Gegründet wurde Moon von den Brüdern Georg und Joachim Kierdorf, die bereits über langjährige Erfahrungen in der Nachtexpressbranche verfügen. So halfen sie ihren Eltern in den 80er Jahren beim Aufbau des familiengeführten Nachtexpressdienstes NVS und konnten hierbei weitreichende Erfahrungen sammeln. Nach dem Verkauf von NVS an den niederländischen TNT-Konzern, waren beide zunächst ausgeschieden. Als Mitte 2016 die Innight Express Germany GmbH den Geschäftsbetrieb der TNT Innight GmbH & Co. KG im Rahmen eines Asset Deals übernahm, waren auch die beiden Brüder Kierdorf wieder an Bord – wenn auch nicht lange. Nach knapp einem halben Jahr zogen die Brüder einen Schlussstrich und verließen den Nachtexpressdienstleister. Grund seien Uneinigkeiten bei der strategischen und operativen Ausrichtung und der Führung des Unternehmens gewesen. Als neue Aufgabe definierten die Brüder Kierdorf sodann den Aufbau eines eigenen Nachtexpressdienstes, was sie mit der Gründung der Moon SE auch umsetzten.

 

Nach den Angaben der Geschäftsführung soll die Moon SE Opfer eines millionenschweren Betrugs geworden sein, wie der Vorstand Kierdorf erklärte. Ein aus Dubai stammender Investor, mit dem der Aufbau des Nachtexpressdienstes finanziert werden sollte, sei untergetaucht und den übernommenen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen. Die dringend benötigten finanziellen Mittel standen der Moon demnach nicht zur Verfügung, so dass die beiden Brüder Kierdorf erhebliche Eigenmittel in die Unternehmung einbringen mussten, um überhaupt noch Sanierungsmöglichkeiten offen zu halten. Nachdem in der Folgezeit die Hausbank der Moon eine dort umgehend beantragte Finanzierung nicht bewilligt und auch der Hauptkunde sein Engagement zurückgezogen hatte, erfolgte am 12. April die Einstellung des operativen Geschäftsbetriebs und am 23. April die Insolvenzantragstellung.

 

„Sanierungsmöglichkeiten scheiden schon deswegen aus, weil es keine Kunden oder Auftragsverhältnisse mehr gibt. Ich habe zwar mit mehreren aus der Branche stammenden Logistikern gesprochen, die ich über andere Verfahren gut kenne. Aber auch diese konnten keinen Anknüpfungspunkt erkennen, mit dem eine Weiterführung oder (Teil-)Übernahme möglich wäre“, erklärte Ellrich. „Von daher ist es auch ausgeschlossen, dass die Agentur für Arbeit einer Vorfinanzierung der seit April offenen Löhne der Mitarbeiter zustimmt. Es war daher folgerichtig, dass die Agentur für Arbeit Anfang Mai einen ablehnenden Bescheid erlassen hat“, ergänzt der vorläufige Verwalter. Ellrich und sein Büro haben daher die Mitarbeiter umfassend über ihre Rechte informiert und gemeinsam mit den noch in der Verwaltung tätigen Mitarbeitern die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen, damit die Arbeitnehmer schnellstmöglich Leistungen der Arbeitsagentur erhalten. Hauptaufgabe ist daneben die ordnungsgemäße Abwicklung der (vormaligen) Auftragsverhältnisse. So besitzt Moon noch über 1200 Schlüssel beteiligter Unternehmen, die an die jeweils Berechtigten noch herauszugeben sind.

 

 


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